Glücksspielstaatsvertrag und MMA Wetten: Der Whitelist Check

Eine Frage bekomme ich häufiger als jede andere: Sind UFC-Wetten in Deutschland überhaupt erlaubt? Die Antwort ist komplizierter als ein Ja oder Nein – und genau diese Komplexität nutzen sowohl legale als auch illegale Anbieter zu ihrem Vorteil. Der Glücksspielstaatsvertrag, seit 2021 in Kraft, regelt den deutschen Sportwettenmarkt über eine Whitelist zugelassener Sportarten. MMA steht nicht darauf. Die Evaluierung dieses Vertrags muss bis zum 31. Dezember 2026 abgeschlossen sein, begleitet von wissenschaftlichen Studien der Universität Bremen und der eye square GmbH. Was bis dahin passiert – und was das für MMA-Wetter konkret bedeutet – schauen wir uns im Detail an.
Zulassungskriterien der GlüStV-Whitelist für Sportwetten
Vor einem meiner ersten Vorträge über MMA-Wetten fragte mich jemand aus dem Publikum: „Steht MMA auf der Whitelist?“ Ich musste zugeben, dass ich damals selbst nicht genau wusste, was die Whitelist ist – nur dass MMA nicht draufsteht. Inzwischen kenne ich die Mechanik dahinter, und sie ist weniger willkürlich, als man vermuten könnte.
Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 – kurz GlüStV – definiert, welche Sportarten in Deutschland für legale Sportwetten zugelassen sind. Die Whitelist umfasst Sportarten, die bestimmte Kriterien erfüllen: organisatorische Transparenz, unabhängige Schiedsgerichtsbarkeit, etablierte Integritätsprogramme und ausreichende Datengrundlage für eine faire Quotenbildung. Stand März 2026 besitzen in Deutschland 14 Anbieter eine Sportwetten-Lizenz – aber die zugelassenen Sportarten beschränken sich im Wesentlichen auf Fußball, Tennis, Basketball und andere etablierte Ligen mit langjähriger Regulierungshistorie.
MMA – und damit auch die UFC – steht nicht auf dieser Whitelist. Das bedeutet nicht, dass UFC-Wetten illegal sind. Es bedeutet, dass lizenzierte deutsche Anbieter UFC-Wetten nur unter bestimmten Bedingungen anbieten dürfen, und dass die rechtliche Grundlage weniger eindeutig ist als bei Fußball oder Tennis. Die Grauzone ist real – und sie betrifft sowohl Anbieter als auch Wetter.
Ein entscheidender Punkt, den viele übersehen: Die Whitelist ist kein starres Dokument. Sie kann im Rahmen der gesetzlichen Evaluierung angepasst werden. Sportarten können aufgenommen oder – theoretisch – auch entfernt werden. Der Prozess dafür ist politisch, nicht sportlich. Die Kriterien mögen objektiv formuliert sein, aber ihre Anwendung hängt von Interpretationen ab, die sich mit den Prioritäten der Regulierungsbehörde verschieben können.
Warum MMA bislang ausgeschlossen bleibt
Ronald Benter, Vorstand der GGL, beschrieb die Regulierung des Glücksspielmarktes als „ein Spannungsfeld zwischen der Kanalisierung der Nachfrage nach Online-Glücksspielen in einen rechtskonformen Markt und der Prävention von Glücksspielsucht.“ Dieses Spannungsfeld trifft MMA besonders hart.
Die Gründe für den Ausschluss sind mehrschichtig. Erstens: Die Integrität. Einzelkämpfer-Sportarten gelten als anfälliger für Manipulation als Mannschaftssportarten – ein einzelner Athlet kann einen Kampf einfacher beeinflussen als elf Fußballspieler ein Spiel. Die UFC hat zwar seit Januar 2023 eine Partnerschaft mit U.S. Integrity für Monitoring-Systeme, aber diese Initiative ist relativ jung und international – nicht an deutsche Regulierungsstandards angebunden. Zudem erinnert sich die Branche an den Ontario-Fall von 2022, als die kanadische Provinz UFC-Wetten temporär verbot, nachdem Auffälligkeiten bei Wettmustern aufgetreten waren.
Zweitens: Die Datengrundlage. Während Fußball auf Jahrzehnte standardisierter Statistiken zurückblickt, ist die statistische Erfassung im MMA weniger einheitlich. UFCStats.com liefert solide Daten für die UFC selbst, aber es gibt kein zentrales, unabhängig geprüftes Datenmodell, das die Grundlage für eine regulierte Quotenbildung bilden könnte. Andere MMA-Organisationen haben teils gar keine öffentlich zugänglichen Kampfstatistiken – ein Problem für jeden Regulierer, der sportartenübergreifende Standards durchsetzen will.
Drittens: Die Sportstruktur. MMA ist global organisiert, aber nicht durch einen einzelnen internationalen Verband reguliert. Die UFC ist ein privates Unternehmen, nicht ein Verband wie die FIFA. Das erschwert die Zuordnung zu den Regulierungskategorien des GlüStV, die auf verbandlich organisierten Sport zugeschnitten sind. Hinzu kommt, dass neben der UFC zahlreiche kleinere Organisationen existieren – von PFL über Bellator bis hin zu regionalen Promotionen wie KSW – die jeweils eigene Regelwerke und Aufsichtsstrukturen haben. Für den Regulierer bedeutet das: Es gibt nicht „den MMA-Sport“, sondern ein fragmentiertes Ökosystem, das sich nicht mit einer einzigen Whitelist-Entscheidung abdecken lässt.
Evaluierung 2026: Chancen für Kampfsportarten
Seit Einführung des Glücksspielstaatsvertrags 2021 hat der legale Sportwettenmarkt in Deutschland etwa 15 Prozent seines Volumens verloren – ein Indiz dafür, dass die Kanalisierung der Nachfrage nicht wie geplant funktioniert. Gleichzeitig wuchs die Zahl illegaler Anbieter deutlich schneller als das legale Angebot. Die laufende Evaluierung bis Ende 2026 ist daher keine Formalität, sondern eine echte Weichenstellung für die Zukunft des deutschen Wettmarkts – und möglicherweise auch für den Status von MMA.
Für MMA gibt es Argumente in beide Richtungen. Auf der einen Seite wächst die Nachfrage stetig: Deutschland steht mit 5,2 Prozent des gesamten UFC-Website-Traffics auf Platz vier der weltweit aktivsten Märkte. Die Fanbasis ist groß genug, um einen eigenständigen regulierten Markt zu rechtfertigen. Auf der anderen Seite fehlen die strukturellen Voraussetzungen, die der GlüStV für eine Aufnahme in die Whitelist verlangt.
Realistisch betrachtet halte ich eine vollständige Aufnahme von MMA in die Whitelist bis Ende 2026 für unwahrscheinlich – dafür müssten die strukturellen Hürden in zu kurzer Zeit abgebaut werden. Was realistischer ist: eine differenzierte Lösung, bei der bestimmte MMA-Ligen mit nachweisbaren Integritätsprogrammen zugelassen werden, während andere ausgeschlossen bleiben. Die UFC wäre mit ihrer U.S. Integrity-Partnerschaft und ihrer Größe der natürliche Kandidat für eine solche Einzelzulassung. Die Frage ist nicht ob, sondern wann und unter welchen Auflagen.
Ein Blick auf andere Länder zeigt, dass regulierte MMA-Wetten funktionieren. In Großbritannien, Irland und weiten Teilen der USA sind UFC-Wetten seit Jahren fester Bestandteil des lizenzierten Sportwettenangebots – ohne dass die Integrität des Sports nachweislich gelitten hätte. Australien hat sogar Sonderregelungen für UFC-Wetten geschaffen, die zeigen, wie eine sportartspezifische Regulierung aussehen kann. Die deutsche Regulierung ist konservativer, aber die internationale Entwicklung liefert handfeste Argumente für eine schrittweise Öffnung.
Bis dahin gilt: UFC-Wetten sind in Deutschland nicht verboten, aber auch nicht explizit in den regulatorischen Rahmen eingebettet. Wer bei einem lizenzierten deutschen Anbieter wettet, der UFC-Märkte anbietet, bewegt sich im legalen Bereich. Wer auf den Schwarzmarkt für Sportwetten ausweicht, verzichtet auf jeden regulatorischen Schutz – und das in einer Situation, in der die GGL die Regulierung aktiv verschärft.
Wann wird die GlüStV-Evaluierung abgeschlossen?
Die Evaluierung des Glücksspielstaatsvertrags muss bis zum 31. Dezember 2026 abgeschlossen sein. Die wissenschaftliche Begleitung erfolgt durch die Universität Bremen und die eye square GmbH. Die Ergebnisse könnten zu Anpassungen der Whitelist und der Regulierungsvorschriften führen – ob MMA davon profitiert, hängt von den politischen Prioritäten der Landesregierungen ab.
Könnten einzelne MMA-Ligen separat zugelassen werden?
Eine differenzierte Lösung, bei der einzelne MMA-Organisationen mit nachweisbaren Integritätsprogrammen zugelassen werden, ist denkbar. Die UFC mit ihrer U.S. Integrity-Partnerschaft und ihrer internationalen Struktur wäre der wahrscheinlichste Kandidat. Internationale Vorbilder zeigen, dass regulierte UFC-Wetten in anderen Ländern seit Jahren funktionieren.
Geschrieben von der Redaktion „auf ufc Wetten”.
